Nach Hongkong, Macau und Kanton sind wir dann wirklich in JINAN gelandet und das bedeutet ohne chinesisch geht gar nichts und mit Chinesisch muss auch noch verhandelt werden. Das fing bei dem Taxi vom Flughafen an und hoert im Massagesalon auf.
Aber interessant - kann ich euch sagen - stimmst du mir zu Alexandra?
Erstes Erlebnis ist Ankommen in einem chinesischen Compound mit hunderten von Briefkaesten und russisch oder mongolisch ausschauenden Securities mit gruenen Uniformen, Koffer in den 6. Stock hinauf tragen (Sebastian und Alexandra), (wuerde in Kuwait niemand machen). Die beiden haben eine grosse Wohnung und die Heizperiode hat Gott sei Dank schon angefangen, denn in den Zimmern ist es warm. Die Kueche ist etwas leer, aber man geht hier Essen, ueberall gibt es leckeres Essen auf der Strasse oder in kleinen Restaurants (5 Haeuser weiter ist die Seafood -Restaurant -Strasse, wo es von Lobster bis Galamuscheln alles gibt).
erlebe den Umkehrfall vom Golf: oh ah - das ist deine Mutter?? - zu Besuch - so weit her - very nice....etc. Es ist richtig witzig. Die beiden bestellen mal so 50 Spiesschen, gezaehlt werden am Ende sie leeren Spiesse. Essengehen zu dritt kostet mit Getraenken so zwischen 3 und 7 Euro, vorausgesetzt man trinkt keinen Tee. Diesen gibt es nur als Gruener Tee und das Glas - nicht die Kanne - kostet ueberall 5 Euro. Das leistet sich kein Chinese. Da es keinen Kaffee gibt, wird heisses Wasser getrunkenn oder Softdrinks. Jetzt gibt es ja auch schon Kuhmilch, aber nur in kleinsten Tetrapack-Groessen.
Morgens beginnt die Uni um 8.30 Uhr bis 11.40 Uhr. Alexandra machte sich auf den Weg mit Muetze und Handschuhe. Sebastian ging nur einmal in dieser Woche und ich wurde krank und hatte Grippe, so dass ich meistrens morgens im Bett blieb, um nachmittags mit Alexandra ein bisschen was anschauen zu koennen.
Wir starteten im Herzen der Stadt am grossen Platz mit dem blauen Wahrzeichen und der staehlernen Lotusbluete und natuerlich dem Saeulengang mit Konfuzius und Menicus und anderen Denkern, auf die sie hier alle so stolz sind, kommen sie alle doch aus dieser Gegend. Am Suedende der Stadt lacht uns ein goldener Buddha auf dem Berg entgegen. Es gibt kleine Kanaele und Flusschen und viele schoene Parks, meist bevoelkert mit Hochzeitspaaren in geliehenen weissen Klamotten, zur Fotosession (vor der Hochzeit, Turnschuhe drunter, dicken Winterjacken drueber, denn es ist kalt und traditionell wird ja in Rot geheiratet) und natuerlich Einkaufsmeilen.
Am n
aechsten Tag hole ich Alexandra an der Uni ab, gleich hinterm Uni Hotel und wir schlendern ueber den Campus, um in der Mensa zu essen. Die chinesischen Studenten haben keine Waschmoeglichkeit in ihren riesigen Blocks, die gehen morgens zwischen 5 und 6 Uhr im Schlafanzug ueber den Campus zum Waschhaus (Voelkerwanderung und Schlafanzug-Schau) und eine Kueche gibt's natuerlich auch nicht, aber alle wandern mit ihrer grossen Thermoskanne mit heissem Wasser zum Trinken und Handewaermen. Die gewaschene Waesche haengt vor den Fenstern. Um 6 morgens muessen die Erstsemester zum Sport antreten. Als wir da waren - es war Herbst - mussten die Erstsemester Blaetter fegen - in pinken Highheels und Minirock. Man muss den Campus aber nicht verlassen, denn es gibt alles was man braucht, von der Mao-Statue bis zum Zug-Ticket.
Die auslaendischen Studentenn haben ein eigenes Wohnheim mit mehr Platz - 12qm zu zweit und ein Bad, keine Kueche. Die Lernmethoden hier bestehen aber fast ausschliesslich aus Auswendig Lernen und die Kasachen und Koreaner, die bei Alexandra im Kurs sind, sind das wohl auch so gewohnt.
Und natuerlich sind wir durch die Parks geschlendert (einer davon soll Chinas schoenster sein - 5€ Eitritt) wo die ganzen Alten zu finden sind, die spielen und ihre Voegel mitbringen oder Liebespaare. Zwischendurch muss man mal in einen der Tempel oder auf einem See schippern. Einen ausnehmend guten Ueberblick hat man aus vom Riesenrad in einem der Parks, ueber die Stadt und die Berge, vor allem den 1000 Buddha-Berg. Den schafften wir noch am letzten Tag.
Auf dem ganzen Gelaende wird man von den wildesten Buddhas begruesst und um auf die Spitze des Berges zu gelangen, kann man auch zumindest bis zur Haelfte eine Seilbahn benutzen und kann dann schon mal den Buddha aus den Baeumen heraus schauend sehen. Alexandra wohnt am Fusse dieses 1000 Buddha Berges, was uns aber nicht hinderte wie immer ein Taxi zu nehmen, war ich doch noch angeschlagen und ausserdem wars billig (75 cents).
Zweimal ging ich alleine los mit verschiedenen chinesisch bschriebenen Zetteln, die vom Taxifahrer auch tatsaechlich verstanden wurden. Alles andere konnte ich vergessen, selbst mit Findern zaehlen geht nicht - unsere 2 bedeutet 8 etc. So war es fuer mich ein spezielles Erlebnis in einen chinesischen Massagesalon zu gehen. Zunaechst stehen da Liege an Liege fuer Maennlein und Weiblein, weshalb man/frau sich auch nicht der Kleidung entledigt. So ganz traute ich mich dann doch nicht, bei all den Geraeuschen und Toenen, die Masseure und Klienten von sich gaben. Deshalb zeigte ich dann nur auf meine Fuesse, die massiert werden sollten. Dazu muessen aber Soicken ausgezogen werden. Allerdings musste ich zuert auf einen Stuhl rittlings sitzen, da bei der Fussmassage an Nacken und Schulter begonnen wird. Die Nachfragen musste ich allerdings mit einem Laecheln ignorieren. Aber es war fantastisch - eine Stunde bearbeitet zu werden fuer 2€. Deshalb entschloss ich mich zu einer Full Body Massage am naechsten Tag. So was habe ich noch nicht erlebt: ich wusste gar nicht, dass ich so viele einzelne Muskeln an so verschieden Stellen habe und der Mensch hat nicht aufgegeben, bis die letzte Verspannung geloest war, dem ist das Waaser runter gelaufen, waehrend der Polizist nebenan nur noch gestoehnt hat und der Masseur wilde rhythmische Schreie von sich gab. Das Ganze gab's fuer 3€. Ich habe mich super gefuehlt und meine langjaehrigen Nackenschmerzen sind seither verschwunden. Ich glaube ich wuerde jeden Tag hingehen, wenn ich da wohnen wuerde.
In der Zwischenzeit wurde Alexandra zum Vorstellungsgespraech zu Siemens eingeladen, das auf chinesisch stattfand: sie haette am Montag anfangen sollen.
So verging eine Woche doch ziemlich schnell und wir sassen - nachdem
wir uns noch die veschiedensten Seafood Gerichte gegoennt hatten - im der Drehbar des Sofitel im Zentrum am grossen Platz zum Abschiedsdrink. Und auch hier zeigte sich die Gemeinsamkeit mit den Arabern : nicht das Gesicht zu verlieren. Ich hatte einen Iced Strawberry Cocktail bestellt und bekam ohne Kommentar einen Banana Cocktail. Auf Nachfrage hiess es, sie haetten keine Strawberries. Dieser Zug sollte uns noch oefters begegnen.
Fuer den naechsten Tag hatten wir ein Zug-Ticket fuer den Express nach Bejing.
Morgens wollten Sebastian, Alexandra und ich aber unbedingt noch zum samstaeglichen Kultumarkt gehen bei der Allee, die die Deutschen irgendwann mal angelegt hatten, nachdem sie den Chinesen das Bierbrauen beigebracht hatten. Das war ein Erlebnis der besonderen Art. Hier konnte man noch richtig alte Sachen finden, wenn man sich auskannte bestimmt auch aus der Ming-Dynasie. Wir waren die einzigen Langnasen und die Preise schnellten um das zehn-
Dann war es Zeit zum Bahnhof zu fahren. Die Zeit, den Wagen und die Sitznummer konnte ich schon identifizieren, ich durfte nach Vorzeigen auch den Bahnhof betreten, aber dann musste ich ein Wartegate aufsuchen wie beim Flieger und das war dann nur noch auf Chinesisch ausgeschrieben. Fragen haette ich niemanden koennen - niemand spricht hier englisch. Aber selbst auf Chinesisch bekommt man von 4 Leuten 4 verschiedene Antworten s.o., da nuetzt dann nur noch selbst lesen. Das Gate fuellte sich und als der Zug einfuhr wurden wir bis zum Wagen geleitet. Es sind immer Millionen von Chinesen mit dem Zug unterwegs, aber die Bahnsteige sind immer leer bis zum Einseigen - und Stehplaetze gibt es nicht, weil jeder sein Ticket nur mit Sitzplatz kaufen kann.- - dies gilt fuer die Express-Zuege, die 1. Klasse sind.
Drei Stunden relaxtes Bahnfahren, countryside gucken und den Chinesen zusehen, wie sie an den Warmwasserhahn rennen und ihre Nudelsuppe aufbruehen - und dann kamen wir zur Abenddaemmerung in Bejing an.
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