Donnerstag, 21. Februar 2008

Winterreise durch China - Sky Train To Heaven oder the last train to Lhasa

Pünktlich trafen wir mit dem Taxi an der Railway Station Beijing West (Xi) ein. Von hier aus startet jeden Abend der Himmelszug nach Lhasa: 4500 km in 48 Stunden, der höchste Zug der Welt, von dessen Bau sowohl die Amerikaner als auch Schweizer Ingenieure abgeraten haben, führt er doch lange Strecken über den Permafrost.

Es blieb spannend, denn wir wussten nicht, ob wir im gleichen Abteil sein würden und wie wir mutmaßten, war Alexandra im Nebenabteil, auch unten, da dies die teuersten Plätze sind.Wir überredeten – Alex natürlich – eine Frau aus Xining – zu wechseln, was sie aber – ihr Gepäck betrachtend – nicht so gerne tat, hatte sie sich doch schon häuslich eingerichtet. Aber alle Mitreisenden halfen ihr umziehen und sie bekam ja den besseren Platz unten. Wir waren nun zusammen im Abteil mit einem tibetischen Studenten aus Xining, der 2meimal im Jahr heimfährt und genossen die Vorteile des Softsleepers, in einer allerdings geräuschvollen Nacht


Nach Xining fuhren wir auf eine Hochebene mit Stauseen, Bergen, Landwirtschaft und Wein – es schneite leicht und alles lag unter einer weißen Decke.
Obwohl wir gut geschlafen haben war es eine gespenstische Nacht, an Bergen und Schluchten vorbei. Ich wachte auf uns sah zwei Kraftwerksmeiler im Vollmond an mir vorbeiziehen und dann wieder viele kleine Dörfer, die an Felsterrassen kleben.
Nach relativ spätem Aufstehen nahmen wir als einzige Westerner den Speisewagen in Beschlag. Zur Auswahl standen chinesisches uns westliches Frühstück. Ich entschied mich ganz mutig für die chinesische Variante, soll man doch sehne und schmecken , was die Einheimischen zu sich nehmen, stehen die Chinesen doch in dem ruf, sehr gesund zu leben. Dies bedeutete kein Getränk, sondern eine Schale flüssige Reissuppe, geschmacklose Bautze (Dampfnudel= Brot), Gemüse (Kohl und Seaweeds) und ein hartes Ei – sah zumindest bunt aus mit Ausnahme der Suppe. Western bestand aus 2 Spiegeleiern, ungetoasteten toast, Butter, Marmelade und wässrigen Kaffee und auch diesen gab’s am nächsten Tag nicht mehr: sold out. Wahrscheinlich konnte man ihn nicht länger strecken.
So schraubten wir uns einen Tag lang bis nach Xining, wo unser „Mitschläfer“ herkam und das lag auf 2800 m – am Abend waren wir dann auf über 3000n und mussten eine Health Card ausfüllen, damit sie uns von Golmud nach Lhasa auf das tibetische Hochplateau mit nahmen.



Am nächsten Morgen waren wir dann auf über 4000m und Reinhold ging es nicht so gut, sein Kopf tat weh, es war ihm schwindelig und überhaupt…
Verschneit Yaks säumten unseren Weg und immer wieder – weit weg von jeglicher Zivilisation tibetische Antilopen, die wir später als Symbole auf den tibetischen Tempel -Dächern wieder fanden. Neben uns kämpften sich lange Trucks einsam durch das Schneegestöber und die Sicht wurde immer schlechter.
Hin und wieder ein einsames Gehöft und viele Schaf- und Yakherden, eine ruhige Ebene auf dem höchsten Plateau der erde ‚the roof top of the world“.
Leider hat der Zug nirgends angehalten, um mal auszusteigen, zu gerne hätten wir die Yangste-Quelle gesehen und nicht nur irgendwo vermutet oder den Blick auf die 7000er erhascht.
Die Toiletten waren inzwischen zugefroren, obwohl es im Abteil kuschelig warm war. Nur über 5000m versagte Alexandras mp3-Player.












Als die Berge schon nicht mehr schneebedeckt waren, durchzogen immer mehr blau gefrorene Flüsse die Landschaft. Atemberaubend die Landschaft –atemberaubend die Höhe im wahrsten sinne des Wortes, was Reinhold veranlasste, sich die Oxigen-Maske zu holen. Und so saß er da mit seinen Schlauchen und genoss die Aussicht.

Ganz West-Tibet zog an uns vorüber – leider bei bedecktem Himmel, aber die Eindrücke waren deshalb nicht weniger grandios – die Weite – die Höhe – und der Satz des Tages: „Hey, da ist alles voller Yaks“ (Reinhold) Aber man kann sich das Leben dennoch nur schwerlich vorstellen, so nahe am Himmel. Ich würde gerne noch Menschen von hier oben treffen, so bleibt mir nur die Vorstellung und die Momentaufnahmen der Dörfer vom Zug aus, die bunten Kleider, die hirten, die Schneeschmelzer….
Die letzten Kilometer kam der Sky Train dann tatsächlich runter auf 3700m und es wurde schon aufgeräumt im Zug und Müll eingesammelt. Und dann fuhren wir in den Bahnhof ein – völlig unerwartet – ein Riesenmonument mit blitzblanker großer Marmorplattform, auf der schon sauber aufgereiht die Putzkolonne wartete und eine große Gruppe Militärs, die bestimmt nach Peking zurückfuhren. Diese Truppe, war auch diejenige die im Zug und Speisewagen ungeniert rauchte –trotz Rauchverbot und jede Menge leere Bierkartons im Flur hinterließ.
Nach dem Vorplatz wartete eine Meute von Taxifahrern hinter der gelben Linie, von denen aber keiner bereit war mit Taxameter zu fahren.














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