Samstag, 1. März 2008

Winterreise durch China - Yunnan, Lijang

Lijang 03-02-2008

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Es war auch hier in der Bergwelt Yunnans kalt, aber schön. Unser Hotel hatte einen Courtyard, eine Dachterrasse und einen Kaminraum, wo es Frühstück gab, das aber irgendwie vergessen wurde. Deshalb gab es fried rice und Fladen mit Tee.





Wir waren früh dran und konnte danach das Stadtchen gemütlich erobern. Die Frauen trugen alle Kraxen auf dem Rücken, überall gab es frische Fladen und die ganze Stadt war mit kleinen Kanälen durchzogen und von der Naxi Kultur , Kleidung, Gewohnheiten etc., geprägt. Dies galt fuer die Old Town of Lijang, nicht für die chinesische neue Stadt, wo von all dem nichts mehr zu sehen war, d.h. es stimmt nicht ganz, auch diese Ortsteile hatte immer wieder Naxi Wohnviertel, die eben immer auch viele kleine Kanäle hatten und entspre3chende Kneipen.
Nachdem wir unseren ersten Rundgang gemacht hatte, entschlossen wir uns ein Bike zu mieten und in den Jade Dragon Park zu radeln. Dort wollte ein unsympathischer Chinese 8€ eintritt, obwohl ab 1. Januar der Eintritt frei war. Also bikten wir weiter nach Baisha, aber kurz davor entschlossen wir uns auf Reinholds Betreiben zum Jade Dragon Snow Mountain zu fahren, dem berühmtesten Schneeberg mit Gletscher hier in Lijang und Umgebung. Nach der Karte müssten es 15 km sein – die wurden aber ziemlich lang, denn nach 15km waren wir erst an einem Touristen -Village und kein Ende in Sicht.



Wir arbeiteten uns noch den Berg hoch – nun über 3000m hoch – um an ein Restaurant zu kommen, das sich aber als Mautstation des Nationalparks herausstellte. Wir hatten kein Wasser mehr, dachten wir ja in Baisha ins berühmte Cafe einzusitzen und in einem Städtchen zu sein.
Alexandra hielt einen Minibus an, der uns und unsere Bikes! Mitnahm – allerdings für 8€ Eintritt in den Park + 8€ Protection fee für die Gegend + 1€ Fahrt.
Wow – das tat gut zu sitzen über den Pass und in ein nächstes Village, wo wir Tickets für die Seilbahn kaufen konnten, dann aber zu einer Wartehalle rennen mussten, während nebenan Naxi- Tänze und Marterpfahl-Szenarien abgingen. Ein bisschen erinnerte es an Kanada. Von der Waiting Hall ging’s in einen Shuttle Bus, der uns zur Seilbahnstation hochfuhr, mit der wir via Gondel den Snow Mountain erklommen, um zum Glacier Park zu kommen – 4605m hoch.



















Bei Neuschnee uns strahlend blauem Himmel blieb uns im wahrsten sinne des Wortes die Luft weg – wobei die Chinesen alle mit Oxigen-Flaschen ausgerüstet waren. Leider konnte man durch den vielen Neuschnee nicht so viel gehen, weil es keine Wege mehr gab und die Bar hatte auch zu - irgendwie muss man die Chinesen noch vom Vorteil einer Schneebar überzeugen.



Da der Nachmittag schon fortgeschritten war brauchten wir wieder einen Lift für uns und unsere Fahrräder. Wir warteten an der Strasse auf einen Bus, als ein kleiner Pick-up vorbei kam, den Alexandra anhielt und überredete, uns mitzunehmen. Die Bikes wurden auf die Ladepritsche verfrachtet (er hatte da ein gutes System) und wir fanden vorne Platz – und los ging’s.





Unser Erstaunen war groß als wir die Strecke fuhren, wie viel wir doch gefahren waren. Wir wurden dann auch noch in Baisha – wo wir eigentlich heute hin wollten – vor dem Palast des ehemaligen Naxi- Koenigs ausgeladen. Da es doch schon relativ spät war und wir immerhin noch nach Lijang radeln mussten, entschieden wir uns für den kulinarischen Teil des Ortes, da wir heute eigentlich noch nichts gegessen hatten. Die Suche konzentrierte sich auf das berühmte Cafe Buona Vista, weil wir tierisch Hunger hatten.
Chillig im Sofa lümmelnd genossen wir Naxi Potatoes, Apple- Chicken, Pepper-Beef mit Gemüse und Schu An Lei hatte sich noch ein Naxi Pancake gegönnt und mit Dali Beer kann man Super Radler machen… und wie im Film zogen die Naxi-Frauen mit ihren Kraxen vorbei, den Ochsen ziehend oder mit 2 Wassereimern auf der Schulterstange. Drei von denen standen auf der Strasse und diskutierten über einen Brief.



Hier haben die Frauen immer noch das sagen, wie es immer schon in dieser Kultur war. Die Frauen suchen sich auch ihre Männer aus und können sich verschiedene Liebhaber ins Haus holen. Es gibt aber klare Regelungen, wer dann wo wohnt und die Kinder gehören immer nur den Frauen. Ein heute noch gelebtes Matriarchat. Mir ist nur nicht klar geworden, wie die Chinesen damit klar kommen. Eins gilt auch hier wie in Tibet: die Minderheiten sind nicht an die 1 Kind-Regelung gebunden. Ein Han-Chinese muss z.B. in Jinan für das 2. Kind 15000€ Strafe bezahlen.
Die Sonne ging hinter den Dächern unter und wir machten uns auf den „Heimweg“, vorbei am Naxi-Alltagsleben, das nur unsere Bilder wiedergeben können und das auch nur teilweise. Allerdings ist Baisha ein funktionierendes Dorf im Gegensatz zu Lijang, das speziell für Touristen zurecht gemacht wurde.
Wir mussten noch gut 8km fahren, bis wir an den großen Mühlrädern in der Altstadt unsere Bikes wieder abgeben konnten – mit dem Fahrrad zum Gletscher – das hatte schon was!
Inzwischen leuchteten die Gassen voller roter Laternen und die ganze Stadt war für Neujahr dekoriert. Unser 2. Abendessen genossen wir in einer Live-Musik-Kneipe neben dem Ofen, bevor wir duech die Gassen zum Moon-In schlenderten.
Dort gab’s dann gleich die nächste Überraschung: die kleine fahrige Chinesin hatte uns Flugtickets besorgt: für heute Abend!!!. Der Flug ging vor 5 Minuten. Das war ihr natürlich oberpeinlich, aber sie konnte die Tickets noch zurück geben und musste 9€ Storno zahlen, was für sie natürlich viel ist. Die Tickets für den nächsten Tag bekamen wir natürlich nicht mehr ins Hotel geliefert, da es keine 24 Stunden mehr waren, sondern nur noch als E-Version mit Reisepass check –in.


Lijang – Tiger Leaping Gorge 04-02-2008

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Punkt 8 Uhr klopfte es an unsere Tür, dass das Frühstück serviert sei, diesmal mit Dumplings, Spinat, suessen und pikanten Fladen, einer Beef-Krabben-Reissuppe und Spiegeleiern. Da haben sich die Mädels echt was einfallen lassen.



Unser Fahrer wartete schon auf uns – und ab ging’s im 4WD zur Tiger Leaping Gorge, einer Yangste Schlucht.
Schon die anfahrt war großartig: blühende Obstbäume, Seen, Berge, grüne Terrassen, Tempel Aussicht auf den Yangtse und vieles mehr.
Am Straßenrand ein Alter mit Hase in der Hand – frisch zu Neujahr.




Unten am Fluss trafen wir dann auf unseres Fahrers Frau, DIE MIT Gästen auch in die Schlucht fuhr – allerdings nur bis zum Hauptaussichtspunkt, dem Tigersprung, wo man bis zum Yangste runter laufen konnte. Wir wollten eigentlich noch 10km weiter in die Schlucht zum Walnut Garden, aber seine Argumente dagegen war unser Zeitmangel. Dies hielt ihn allerdings nicht davon ab von dem Alten, der morgens noch mit dem Hasen am Straßenrand saß, nun ein lebendiges Huhn zu kaufen, das so lebendig wie es war mit in das Auto kam.







Deshalb machten wir auch noch an einem See Stopp, einem Naturreservat für Vögel, wo wir über den See „gestochert“ wurden und danach auf lahmen Gäulen durchs Gelände trabten – richtig touri-
maessig, aber Alexandra hatte einfach „Bock: drauf.




















Und zum Abschluss des Tages konnten wir unseren Fahrer mit 20Yuen überreden, noch nach Baisha zu fahren, wo wir in die Architektur der Naxi anhand des Koenigspalastes und der Tempel Einblick bekamen – die Anlage am fuße des Snow Mountain hatte eine ganz besonderes Flair und eine Nadelbaumalle zu einem buddhistischen Tempel ist schon ein ganz eigener Anblick. Das Besondere aber waren die alten Fresken, die leider in keinem guten Zustand und nicht restauriert waren.
Zum Abschied gab’s noch Spiesschen und Naxi-Ente in der Abendsonne – gefolgt von einer Pizza („hab ich bb + brutal bock“ Alexandra) und einer Lemon-Tarte im Cafe um die Ecke vom Moon-In. Dort wartete schon wieder unser Fahrer, um uns zum Flughafen zu bringen, vorbei am gerade neu gebauten Bahnhof.
Unter Sternenhimmel flogen wir in die Hauptstadt Kunming, wo alle Hostels ausgebucht waren. Alex konnte noch ein Hotel in der Beijing Lu buchen (Hu Fu) und es reichte noch zu einem Nachtspaziergang in die Frauenstrasse (Klamotten, Friseure, Taschen und Schuhe) und einen Absacker im bekannten Camel Cafe, wo’s den besten Mochito seit langem gab.

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